Randspalte

Wir sind alle SANITA

Im Januar protestierte die unabhängige Betriebsgruppe in den
Amper Kliniken in Dachau gegen das repressive Vorgehen der Klinikleitung gegen
das FAU-Syndikat SANITA. Das Syndikat hatte 2007 gemeinsam mit der unabhängigen
Betriebsgruppe für Wirbel gesorgt, indem sie öffentlich auf die untragbaren
Arbeitsbedingungen in der Klinik, die zum Rhön-Konzern, gehört, aufmerksam
machten und eine Liste mit konkreten Forderungen stellten. Auf einen
Informationsstand, den die FAU-Lokalföderation München in der Nähe der Klinik
organisiert hatte, reagierte die Klinikleitung mit Anzeigen wegen
Hausfriedensbruchs. SANITA wurde nicht als im Betrieb vertretene Gewerkschaft
anerkannt. Um das Recht auf gewerkschaftliche Organisierung in den Amper
Kliniken durchzusetzen, wird mittlerweile auch der Rechtsweg beschritten. Die
Betriebsgruppe erklärte ihre Solidarität mit SANITA und forderte die
Klinikleitung auf, die Gewerkschaft in Ruhe arbeiten zu lassen sowie die
Anzeigen und Hausverbote zurückzuziehen. Die Erklärung endet mit folgenden
Sätzen: „Wir wissen, auf wen wir uns verlassen können und auf wen nicht. In
diesem Sinne: Wir sind alle SANITA!“ (RO)

Mehr Infos: www.ungesundleben.org

 

Prozess vertagt

Der Prozess gegen den engagierten Ver.di- Funktionär Angelo
Lucifero im Januar (siehe Direkte Aktion 185) wurde vorerst vertagt. Lucifero soll sich vor
Gericht dafür rechtfertigen, eine Schreckschusspistole gezogen zu haben, als er
während einer antifaschistischen Kundgebung in Erfurt im März 2007 zum
wiederholten Male von Faschisten angegriffen wurde. Der Vorfall hatte in antifaschistischen
Gewerkschaftskreisen hohe Wellen geschlagen, weil sich in der Folge führende
Persönlichkeiten von DGB und Ver.di öffentlich von Lucifero distanziert hatten.
Im Dezember wurde ihm dann durch Ver.di aufgrund seines antifaschistischen
Engagements sogar die Kündigung ausgesprochen. Beim Prozessauftakt im
Amtsgericht Erfurt solidarisierten sich mehr als 100 UnterstützerInnen mit
Lucifero. Der Prozess wurde vertagt, weil der Richter Lucifero aufgrund eines
Gehörschadens für verhandlungsunfähig erklärte. (RO)

 

Wieder Fahrradproduktion in Nordhausen

Ab dem 1.Mai sollen in Nordhausen wieder Fahrräder
produziert werden. Ein Teil der Belegschaft der ehemaligen „Bike-Systems GmbH“
bereitet momentan die Gründung einer Fahrrad-Manufaktur in einem Gebäude der
alten Fabrik vor. Dabei handelt es sich um den gleichen Personenkreis, der auch
die Produktion des Strike-Bikes ermöglichte. Zunächst war auch die Gründung
einer Genossenschaft im Gespräch, dies musste allerdings verworfen werden, weil
die Geschäftspartner einen Kapitalrückhalt als Voraussetzung für eine
Kooperation verlangen. Dieses Kapital wird nun von vier Gesellschaftern
gestellt, welche im Fahrradwerk beschäftigt waren. Es wird eine
Jahresproduktion von 20-25.000 Fahrrädern angestrebt. Der Betrieb soll formal
zwei Geschäftsführer haben. Weder diese noch die Gesellschafter werden jedoch
über besondere Weisungsbefugnisse verfügen. Vielmehr sind gleiches
Mitspracherecht für alle ArbeiterInnen und ein Einheitslohn vorgesehen. „Wenn
sich der Betrieb hält und nach einem Jahr Gewinne macht, soll die Belegschaft
entscheiden, was damit passiert, ob sie investiert oder verteilt werden oder
was auch immer“, ließ Andre Kegel in der Tageszeitung Junge Welt wissen. Es
bleibt abzuwarten, ob es den KollegInnen gelingt, sich einem langsam
etablierenden „Pragmatismus“ zu widersetzen – vielfach hatte sich ein solcher
im Tagesgeschäft selbstverwalteter Betriebe Bahn gebrochen, so dass von den
Idealen der Gründerzeit nach einigen Jahren nicht mehr viel übrig geblieben war.
Der Unterstützerkreis der FAU ist an der Entwicklung seit dem Ende der
Strike-Bike-Produktion nicht mehr direkt beteiligt. Der weitere Prozess wird
selbstverständlich interessiert und mit Sympathie für die KollegInnen verfolgt.
Die Gewährleistung für das Strike- Bike gilt natürlich nach wie vor. Wer
Probleme mit seinem Fahrrad hat, kann sich unter fahrradwerk(a)gmx.de melden.
(RO)

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