Kolumne Durruti

kolumne_durruti_cs.jpgGar nicht so weit entfernt, aber
zwischen hohen Bergen gut versteckt, liegt ein kleines Land, in dem
putzige Gesellen wohnen: die Schwümpfe. Normalerweise sind die
Schwümpfe freundliche und hilfsbereite Wesen, weswegen man ihnen
auch erlaubt, auf den Papst aufzupassen. Nun ist das Schwumpfland
nicht gerade reich gesegnet mit Bodenschätzen oder auch nur flachen
Böden, auf denen man Schwumpfbeeren anbauen könnte. Und so mussten
sich die Schwümpfe immer wieder etwas neues einfallen lassen, um
ihren Lebensunterhalt zu beschwumpfen.

Früher, als gegenseitiges
Schädeleinschlagen noch zum allgemeinen diplomatischen Repertoire
gehörte, vermieteten die Schwümpfe sich selbst mit großem Erfolg
als professionelle Schädeleinschläger (wahrscheinlich ist, entgegen
der öffentlichen Meinung, dies das älteste Gewerbe der Welt).
Später erkannten die possierlichen Kerlchen, dass Berge zwischen
zwei Ländern Passstraßen notwendig machen, und verschrieben sich
der gemäßigten Wegelagerei. Als auch dies aus der Mode kam,
verlegte sich der moderne Schwumpf auf eine moderne Tätigkeit:
Schwumpfen.

Wie man schwumpft, fragt ihr? Ganz
einfach. Man wartet, bis jemand anderes eine Menge Schwumpfbeeren
gesammelt, ersöldnert oder erwegelagert hat, und verspricht ihm,
darauf aufzupassen. Dann stellt man ihm eine Quittung aus, wirft die
Schwumpfbeeren in einen Schwumpfbeerentresor und, ganz wichtig:
verrät niemandem, aber wirklich absolut niemandem – psst, das ist
unser Geheimnis! –, wie viele Beeren in dem Tresor sind und wem sie
gehören. Das machen die Schwümpfe so gut, dass mittlerweile
allerlei nichtschwümpfiges Gezücht mit Säcken voller
Schwumpfbeeren ins Schwumpfland kommt, um die Schwümpfe darauf
aufpassen zu lassen. Schwumpfbeeren schwumpfende Schwümpfe sind ein
globaler Gassenfeger. Außer in Libyen. Aber da will ja auch kein
Schwumpf hin.

Seit einiger Zeit herrscht jedoch im
Schwumpfland ganz und gar unschwumpfige Aufregung. Es trug sich
nämlich zu, dass ein Schwumpf – und viele Schwümpfe hatten das
bislang für unmöglich gehalten – die alleroberste und
schwumpfigste Regel des Schwumpfbeerenschwumpfens gebrochen hatte.
Für eine Handvoll Schwumpfbeeren wollte er dem Erstbesten verraten,
wer in welchem Tresor wie viele Beeren eingelagert hatte. Eine
Ungeheuerlichkeit! Es ist nämlich so: Wer ein ordentlicher Schwumpf
ist, fragt normalerweise nicht, woher die Schwumpfbeeren kommen, die
er eingeschwumpft hat. Auf diese Weise wird sich wohl niemand
wundern, wenn ein Gutteil davon andernorts vermisst wird. Denn wer
etwas vermisst, will es meist gerne wieder haben.

So ist es nun der Fall, dass man rings
ums Schwumpfenland auf ganz und gar unschwumpfige Dokumente verweist,
die den Aufenthaltsort einer Menge schwer vermisster Schwumpfbeeren
verraten sollen. Mehr noch, man verlangt vom Polizeischwumpf dringend
Unterstützung. „Ganz und gar unschwumpfig“, meint die
Justizschwumpfine Widmer-Schlumpf, „das geht gar keinen
Nichtschwumpf nichts an.“ Und die gelben Liberaloschwümpfe sehen
das so: „Wenn einer aus Versehen irgendwie vergisst, dass die
Schwumpfbeeren gar nicht ihm gehören, kann das wohl kaum ein
schwumpfiger Fall für die Schwumpfpolizei sein. Schon gar nicht,
wenn so ein Unschwumpf die oberste Schwumpfenregel bricht!“

Da wiederum ist sich die
Justizschwumpfine nicht mehr ganz so sicher und meint, das
versehentliche Besitzen vermisster Schwumpfbeeren könnte schon ein
Fall für die Schwumpfpolizei sein. Nur, dass die Nichtschwümpfe
versehentlich höchstschwumpfige Schwumpfinformation besitzen, kann
ja nun auch wieder kein Grund sein, dass die Schwumpfpolizei
versehentliche oder sogar vorsätzliche Besitzer vermisster
Schwumpfbeeren einschwumpft. Schwumpfige Situation, oder was meint
ihr?

Christian Schmidt

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