Nachruf auf einen Genossen

IMG_3391.JPG Christoph war seit 2005
Mitglied der FAU Münsterland, der libertären Bewegung in Münster
aber schon weit länger verbunden. Als selbstständiger
Bildjournalist kam er in eine FAU-Gruppe, die fast ausschließlich
aus StudentInnen bestand. Von seiner Berufung als Fotograf
profitierten regelmäßig auch die DA und
die Graswurzelrevolution, beispielsweise als
er sich bei einem Naziaufmarsch in Münster in die Höhle des Löwen
begab.

Als
„freier“ Mitarbeiter des WAZ-Konzerns hatte er mit der
zunehmenden Prekarisierung seines Berufes zu kämpfen. Den
Lebensunterhalt zu verdienen, wurde immer schwerer: Statt seine
Bilder gegen Honorar verschiedenen Zeitungen zur Verfügung stellen
zu können, wurde er nun tageweise „gebucht“, und alle dabei
entstandenen Bilder wurden zum Eigentum des WAZ-Konzerns. Mit dem
pauschalen Tageshonorar, der Schließung kleinerer Lokalredaktionen
und den immer längeren Fahrtwegen zu den Fototerminen erhöhte sich
der Arbeitsdruck immens.

Christoph
hat im vergangenen Jahr begonnen, seine KollegInnen im Ruhrgebiet zu
vernetzen. Nach schleppendem Beginn entwickelte eine breiter
gestreute Einladung „voll die Sprengkraft“, wie er in einer Mail
mitteilte: über 15 KollegInnen kamen zum Treffen. Doch die
zunehmende Arbeitsbelastung führte dazu, dass wir Christoph nun
seltener sahen, weil er bis in die Nacht arbeiten musste. Wir gehen
davon aus, dass dieser Stress auch dazu beitrug, dass ein längerer
Klinikaufenthalt notwendig wurde. Am 14. Mai entschied sich
Christoph, diese Welt endgültig zu verlassen. In unsere Trauer
mischt sich Wut – Wut auf Verhältnisse, die das Leben nicht mehr
lebenswert machen.

FAU
Münsterland

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