Equal Pay statt Mindestlohn

Leiharbeit: 4,80 oder 8,90 Euro – alles dabeiEs mehren sich die Forderungen nach
einem Mindestlohn für Leiharbeit: Wie steht ihr dazu?

T.: Diese Forderung hat einen klaren
Zweck: Sie soll die europäische Gesetzgebung des „equal pay“
unterlaufen, also den Grundsatz ‚Gleicher Lohn für gleiche
Arbeit’. Bisher wurde das durch entsprechende Dumping-Tarifverträge
von DGB und CGB gewährleistet. Seitdem die Tarifverträge der
christlichen Gewerkschaften juristisch in Frage gestellt werden, wird
das schwerer. Ein Mindestlohn ist dann sozusagen ein
Dumping-Mindestlohn, der die Dumping-Tarifverträge absichert. Unsere
Position ist klar: „Equal Pay“ muss Standard sein.

Was sagt ihr zum Schreckgespenst
eines drohenden Lohnunterbietungskampfs von Leiharbeitsfirmen aus
Osteuropa?

M.: Die Frage muss lauten: Wie können
wir die Arbeitgeber zwingen, polnische, albanische, deutsche,
englische usw. ArbeiterInnen gleich zu entlohnen! Es muss völlig
egal sein, von wo jemand kommt. Die „Nationalität“ darf keinen
Keil zwischen unsere Solidarität treiben. Daher ist uns die
Zusammenarbeit mit anderen libertären Gewerkschaften in Polen und
Osteuropa wichtig.

Im übrigen, der Lohnunterbietungskampf
besteht bereits: Im Berliner Baugewerbe erhalten viele so wenig, dass
sie noch mit Hartz IV aufstocken müssen. Das ausführende Gewerbe
greift auf Subunternehmer zurück, die den Preis weiter drücken und
die ArbeiterInnen mit einem Dumpinglohn abspeisen. Der Fisch stinkt
immer zuerst vom Kopf an.

Wie schätzt ihr den sprunghaften
Anstieg der Leiharbeit ein?

T.: Das ist klar krisenbedingt. Sie
waren die ersten, die gehen mussten. Dass sie jetzt wieder
eingestellt werden, ist kein wirklicher Grund zur Freude. Im
Gegenteil: Wer leiht statt fest einstellt, will auch schnell wieder
kündigen, wenn der ‚Aufschwung’ eben doch nicht anhält.

M.: Die bestehenden Stammbelegschaften
werden Stück für Stück zersetzt. Das muss verhindert werden.

Weitere Informationen zur Kampagne: www.leiharbeit-abschaffen.de

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