Arbeit und Krieg

Ihr habt als GewerkschafterInnen eine antimilitaristische Stellungnahme veröffentlicht, in der ihr ver.di kritisiert. Schildert uns doch mal kurz, worum es geht.

Kiel ist einer der Heimathäfen der Bundeswehr, von dem heraus sie ihre Auslandseinsätze organisiert. Das Verteidigungsministerium verkündete Ende Oktober 2011 die Schließung des Marinearsenals. Dazu gab es eine Pressemitteilung der ver.di Nord, in der sie aus einer Standortperspektive und pro Marine und somit pro Krieg argumentiert. Ver.di behauptete zudem rotzfrech, dass ALLE Kieler Gewerkschaften gegen die Schließung sind. Wir wollten dieser „Harmonie“ etwas entgegensetzen: Gegen Kriegs- und Standortlogik und eine Ablehnung von Militarismus! Darauf gab es vereinzelte positive Reaktionen, öffentliche blieben jedoch aus.

Ihr sprecht von „Kriegs- und Standortlogik“. Inwiefern wurde diese Logik gerade beim Kampf um das Marinearsenal deutlich?

Ver.di geht über die reine Bestrebung des Erhalts von Ausbildungs- und Arbeitsplätzen weit hinaus. Sie gehen so weit, sich Gedanken über die strategische Ausrichtung der Bundeswehr zu machen. Damit verlassen sie das Terrain einer Gewerkschaft und mutieren ganz im sozialpartnerschaftlichen Sinne zu einer Art „Think Tank“. Ver.dis Aussagen könnten so glatt einem Arbeitspapier des Verteidigungsministeriums entstammen.

Ist antimilitaristische Gewerkschaftsarbeit für euch widerspruchsfrei?

Gewerkschaftsarbeit ist oft voller Widersprüche und Konflikte. Klar können wir junge Leute verstehen, die aus Angst um ihren Arbeitsplatz auf die Straße gehen. Denen ist oft nicht bewusst, dass ihre Arbeit Teil einer Kriegsmaschinerie ist. Natürlich werden die verarscht und ausgenutzt. Aber was Krieg angeht, kann es einfach keine Kompromisse geben. Bisher stehen wir mit dieser klaren Antikriegs-Position auf offizieller Gewerkschaftsebene in Kiel noch alleine. Wir hoffen, das ändert sich.

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