Editorial

Liebe LeserInnen,

der Schwerpunkt „Ökologie“ ist nur auf den ersten Blick nicht naheliegend für eine Gewerkschaftszeitung. In Ausgabe 191 (Januar/Februar 2009) hatte die Direkte Aktion bereits die „Green Unionism-Debatte“ unter die Lupe genommen und aufgezeigt, warum syndikalistische Methoden, Strategien und Organisationsformen ein besonderer Hebel zur Durchsetzung ökologischer Forderungen sind – aber eben nicht nur dieser. Der Artikel „Eine machtvolle Synthese“ von Dan Jakopovich ist hierzu nach wie vor lesenswert und auf der Homepage der DA abrufbar.

Da Ökologie ein weites Feld ist, widmet sich diese Ausgabe insbesondere der Zukunft unserer Energieversorgung. Im Interview auf Seite 3 sprach die DA mit der Sprecherin der Gruppe ausgeCO2hlt, die seit 2011 im rheinischen Revier für ein Ende der Braunkohle-Verstromung kämpft. Im Gespräch wird deutlich, dass die zentralistischen Einheitsgewerkschaften auf dem grünen Auge blind sind – obwohl es auch aus gewerkschaftlicher Perspektive zahlreiche Möglichkeiten gibt, den Klimakiller RWE unter Druck zu setzen. Der Hintergrundartikel auf Seite 4 beleuchtet unsere Energieversorgung hingegen stärker aus der Perspektive der KonsumentInnen.

Das Jahr 2015 stand aber nicht nur im Zeichen der Braunkohle-Proteste im Rheinland. In Deutschland sprach man wegen der zahlreichen Streiks gar von französischen Verhältnissen. Mag diese Einschätzung auch übertrieben sein, so lässt sich zumindest sagen, dass Arbeitskämpfe recht offensiv in die Öffentlichkeit getragen wurden. Die Reaktionen der Gegenseite waren dagegen weniger prominent. Im Sommerloch verabschiedete die Bundesregierung fast unbemerkt das von SPD-Arbeitsministerin Nahles entworfene Tarifeinheitsgesetz. Noch unsichtbarer agieren die Netzwerke des Union Bustings, die aus diskret zusammen arbeitenden Kanzleien, Consulting-Unternehmen und SoziologInnen bestehen. Diese Entwicklung ergründet Jessica Reissner auf Seite 5.

Mit zahlreichen erfolgreichen Kämpfen in ultra-prekären, oft migrantisch geprägten Beschäftigungsfeldern – wie in der Gastronomie oder auf dem Bau (S. 6 u. 7) – konnte die FAU 2015 zeigen, dass auch in diesen Bereichen Arbeitsrechte gelten und sich die gewerkschaftliche Organisierung lohnt. Fürs kommende Jahr liegt hier ein großes Potential. Es gibt wie immer viel zu tun!

Ein kämpferisches Jahr 2016 wünscht euch deshalb

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die Redaktion „Betrieb und Gesellschaft“ aus Hannover

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