Transzendental meditierend auf dem Friedenspfad

William T. Hathaway, Amerikanist und Friedensaktivist

Zurzeit arbeitet Hathaway als Dozent für Amerikanistik an der Universität Oldenburg. Mit der DA sprach Hathaway über sein Buch Das Ende der Kriege, einem u.a. von Noam Chomsky überaus positiv bewerteten Werk über Militarismus und Widerstand, in dem sich allerdings ein breites Meinungsspektrum von traditionellem Antiimperialismus bis hin zu esoterisch Angehauchtem finden lässt.

 

Herr Hathaway, Sie beziehen sich auf eine pazifistische, antikapitalistische und antipatriarchale Bewegung gegen den Krieg – wie stark schätzen Sie diese gegenüber der aktuellen rechten Bewegung in den USA ein?

Verglichen mit den Rechten sind wir leider winzig.

In vielen Ihrer Texte und Gespräche taucht die Meinung auf, die BRD sei in erster Linie gefügiger Vasall der USA ohne ernsthafte eigene Machtinteressen; eine Meinung, die sich u.a. auch in rechtsradikalen deutschen Antikriegspositionen finden lässt. Greift diese Sicht nicht deutlich zu kurz?

Das war die Meinung zweier meiner Interviewten. Meiner Meinung nach verfolgt Deutschland seine eigenen Machtinteressen, die etwas bescheidener, aber genauso übel wie die der USA sind. Kapitalismus kann in der jetzigen Phase nicht anders als imperialistisch sein.

In Ihrem Buch Das Ende der Kriege versammeln Sie 15 unterschiedliche Perspektiven auf die aktuellen Kriege in Afghanistan und dem Irak. Sie bezeichnen jede davon als „einen Weg, der in Richtung Frieden führt“ und sagen: „Zusammen werden sie zu einem breiten Pfad“. Wäre es nicht notwendig, die Unterschiedlichkeit der Positionen auch auf den Inhalt des Zieles „Frieden“ hin zu überprüfen, anstatt sie so zusammenzufassen? Die Aussagen ihrer irakischen Interviewpartnerin Al-Marjan sind nun alles andere als pazifistisch, hinsichtlich Israels klingen sie sogar deutlich eliminatorisch.

Alle sind gegen Krieg, aber nicht alle sind Pazifisten. Wie im Vorwort steht: „Nicht alle von uns stimmen mit jedem der hier beschriebenen Ansätze überein, aber wir alle sind der Meinung, dass diese Geschichten es verdient haben, erzählt zu werden. Al-Marjan hat Verständnis für die Rachsucht ihres Bruders, unterstützt seine Gewalt aber nicht. Sie ist gegen den jüdischen Staat, aber nicht gegen die Juden.

Ein wichtiges Motiv in Ihrem Buch ist die Kritik des Patriarchats, unter anderem anhand von Schilderungen über Vergewaltigungen innerhalb der im Irak stationierten US-Truppen. Gibt es in den USA zivile Organisationen, die sexualisierte Gewalt im Kriegseinsatz thematisieren und den Opfern beistehen?

Es gibt sie, aber sie sind klein und haben wenig Ressourcen.

Dagegen halten die gesammelten Beiträge jedoch häufig eine angeblich eigene Natur der Frau, die in die kriegerische Welt des Patriachats gezwungen werde. Frauen seien friedlicher, weil sie von Natur aus Leben spendeten; in einem Beitrag zieht dann eine Mutter ihren im Krieg traumatisierten Sohn via Sex auf die Seite des friedliebenden Matriachats… ehrlich: es mag sich tatsächlich um Erzählungen von realen Personen handeln, doch der die absurdesten Geschlechterklischees bedienende esoterisch-naturalistische Gedanke dürfte so mancheR LeserIn die Lektüre deutlich vermiesen. Wie stehen Sie zu solch einem Mist?

Solche Liebe könnte eine Art Anarchismus sein, indem sie die patriarchalischen Muster bricht.

Die Frage, ob ein Teil unseres geschlechtsspezifischen Verhaltens angeboren ist, ist wichtig und kompliziert. Sie lässt sich nicht nur aus Theorien heraus beantworten, und sie ist schwer zu erforschen. Ich glaube, falls unser Verhalten teilweise angeboren ist, ist dieser Teil klein und nicht entscheidend. Wir sollten weiter versuchen, die Unterschiede zu verringern und sehen, wie weit das geht. Gleichzeitig sollten wir die Forschung fortsetzen. Hauptsächlich sollten wir uns einfach gegenseitig wertschätzen.

Die Schilderungen über die Kriege in Afghanistan und im Irak, die Sie in Das Ende der Kriege versammelt haben, sind bedrückend, und sowohl Mut als auch organisatorische Stärke der Netzwerke zur Unterstützung von US-DeserteurInnen beeindruckend. Wäre dieses Thema nicht groß genug für ein Buch gewesen? Wieso diese Vermischung mit so vielen anderen, zum Teil äußerst fragwürdigen Themen?

Je fragwürdiger, desto besser! Wir müssen für neue Erkenntnisse offen bleiben.

Viele Linke (leider besonders in Europa) lehnen Verfahren wie Transzendentale Meditation ab, weil sie nicht in ihre Weltanschauung passen. Aber diese Weltanschauung ist zum Teil im Materialismus des 19. Jahrhunderts hängen geblieben. Der ist zu einer Ideologie geworden, die sie gefangen hält. Die moderne Physik hat entdeckt, dass die Grundlage des Universums nicht Materie ist, sondern Energie. Materie manifestiert sich kontinuierlich aus einem einheitlichen Feld von abstrakter, nicht-materieller Energie und löst sich wieder darin auf. Werner Heisenberg hat festgestellt, dass dieses Feld mit unserem eigenen Bewusstsein verbunden ist.

Während der Transzendentalen Meditation bringen wir unseren aktiv denkenden Geist zu dieser Verbindung mit dem einheitlichen Feld und regenerieren uns mit seiner Energie. Es mag komisch klingen, aber es funktioniert. Viele Leute, darunter ich, haben jahrzehntelange Erfahrung damit und können jetzt klarer denken und besser mit Stress umgehen. Im Esoterikbereich gibt‘s bestimmt eine Menge Spinner, aber TM ist etwas Anderes.

Die Wirkung von großen Meditationsgruppen auf Kriege ist gut erforscht und wissenschaftlich bestätigt. Bewusstsein, sowohl individuell als auch kollektiv, ist das Neuland der Wissenschaft. Aber unsere Vorurteile können uns diesen neuen Entwicklungen gegenüber blind machen.

Herr Hathaway, danke für dieses Interview.

Marcus Munzlinger

 

Hathaway, William T.: Das Ende der Kriege. Wie Kriegsgegner in Deutschland, Amerika, Afghanistan und im Irak für den Frieden kämpfen. Jesbin Verlag, Oldenburg 2011. 188 Seiten, ISBN-13: 978-3939276043; 14,90 Euro.

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